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Regensburg – vom Castra Regina zum Weltkulturerbe

Regensburger Dom Portalansicht

Regensburg – 2000 Jahre Stadtgeschichte

Die Altstadt von Regensburg lässt erahnen, wie eine mittelalterliche Stadt einst ausgesehen hat. Bis heute spiegelt die Architektur die Rolle der Stadt als Handelszentrum wider. Sie war Knotenpunkt und Umschlagplatz für Waren, die auf den großen Reiserouten nach Russland, Byzanz, Böhmen oder über die Alpen nach Italien transportiert wurden.

Haus mit Relikten aus der Römerzeit in Regensburg
Relikte aus der Römerzeit wurden in der Architektur integriert

Regensburg blieb vom Bombenhagel verschont

Regensburg hatte Glück. Weil die Stadt im zweiten Weltkrieg vom Bombenhagel verschont wurde und damit erhalten blieb, ist sie heute Weltkulturerbe, in der mehr als 1.000 denkmalgeschützte Häuser allein in der Innenstadt von 2.000-jähriger Stadtgeschichte künden. Wer durch Regensburg spazieren geht, kann diese wie in einem steinernen Geschichtsbuch lesen.

Fernhandel sorgte für den Reichtum der Stadt

Ursprünglich als römisches Soldatenlager zur Verteidigung angelegt, wuchs Regensburg rasch und avancierte im Mittelalter zu einer Residenz, in der Fürsten und Bischöfe gleichermaßen ihre Paläste bauen ließen. Der Fernhandel machte die Regensburger reich, nicht alle, aber einige von ihnen durchaus. Die Stadt lag verkehrsgünstig an der Donau und war die am südlichsten gelegene protestantische Reichsstadt.

Patrizierturm in Regensburg
Patrizierturm in Regensburg

Italienisches Flair in der Stadt

Die hohen Patriziertürme in Regensburg machen einen Teil des südlichen Flairs aus. Ursprünglich ragten mehr als 60 von ihnen über die Dächer der Stadt, heute sind noch etwa 20 von ihnen erhalten. Während die italienischen Türme zur Verteidigung dienten, zeigten die Regensburger, was sich deren Erbauer leisten konnten, ganz nach dem Motto: Meiner ist höher als deiner.
Sie spiegelten den Gewinn wieder, der mit dem Fernhandel in die Stadt gekommen war. Schließlich zählten die Regensburger Handelsherren zu den ersten, die mit Brokat und Pelzen, Seide und Gewürzen über die Alpen zogen und dort nicht nur Geschäfte abwickelten und ihren Gewinn einsackten, sondern auch die südländische Lebensart kennen und schätzen lernten.

Der immerwährende Reichstag in Regensburg

Altes Rathaus in Regensburg
Der immerwährende Reichstag fand im alten Rathaus in Regensburg statt

Weil sich in Regensburg katholische und evangelische Einwohner seit 1542 das Leben so schwer wie möglich machten, tagte gleich 150 Jahre lang der immerwährende Reichstag in der Stadt. Damit hatte sie Glück: Zu dieser Zeit hatte sich der Handel andere Wege gesucht und die Stadt war arm, aber immer noch sexy. In den alten, adligen Residenzen war genügend Platz für die Gesandten der Fürsten und Vertreter der Reichsstände, die auf dem immerwährenden Reichstag tagten und miteinander verhandelten.

Relikte aus der Römerzeit

Wer genau schaut, entdeckt nicht nur mittelalterliches in der Stadt, sondern auch Relikte aus der Römerzeit, gut 2.000 Jahre alt. Das ehemalige Nordtor führte einst in das Lager Castra Regina der Legion III Italica. Insgesamt 6.000 Soldaten waren am nördlichsten Punkt der Donau stationiert und wachten über die Grenze des Römischen Reiches. Weil die Regensburger pfiffig waren, rissen sie alte Gemäuer nicht einfach ab, sondern integrierten sie in die neue Bebauung. Daher bilden die vom Alter geschwärzten Steine einen malerischen Kontrast zum weiß gekalkten Bischofspalast, der erst viele Jahrhunderte später entstand.

Alte Gebäude wurden saniert

Auf alten Fotografien lässt sich erahnen, dass Regensburg nicht immer so adrett herausgeputzt war. In die von Bomben verschonte Stadt kamen nach dem Krieg unendliche Ströme an Flüchtlingen: In den fünfziger Jahren war Regensburg nicht nur die am dichtesten besiedelte, sondern auch eine sehr heruntergekommene Stadt. Zu dieser Zeit war jedes fünfte Haus vom Einsturz bedroht. Glücklicherweise gab es Menschen, denen die alten Gebäude so sehr am Herzen lagen, dass sie diese nicht abrissen, sondern sanierten.

Verwinkelte und malerische Ecken

Regensburg hat bis heute viele verwinkelte Ecken und Höfe, durch welche die Straßen auf kurzen Wegen verbunden sind. In die einstigen Hauskapellen der Patrizier zogen kleine Geschäfte ein. Wer die Stadt und ihre Geschichte hautnah erleben möchte, nimmt an einer der kurzweiligen Stadtführungen teil.

Zwei römische Soldaten in Regensburg
Die letzten zwei Römer aus Castra Regina

In historische Kostüme gewandet, erzählen beispielsweise zwei römische Soldaten von der schweren Last ihrer Ausrüstung. Diese wog zwischen 35 und 40 Kilogramm und musste selbstverständlich auf den Märschen selbst getragen werden. Von Camuntum, römischer Hauptstützpunkt östlich von Wien an der Donau, bis Regensburg waren es gut 500 Kilometer zu Fuß. Obwohl die Soldaten täglich dreißig Kilometer marschierten, brauchten sie gut vier Wochen bis Regensburg.

Der Regensburger Dom mit dem Eselsturm

Hinter den beiden Römern führt eine Treppe zum Sitz des Bischofs. Von hier aus lässt sich ein fabelhafter Blick auf den Regensburger Dom erhaschen. An dessen gotischer Basilika klebt noch ein alter Turm, Eselsturm genannt.

Eselsturm am Dom in Regensburg
Eselsturm am Dom in Regenburg

Der lateinische Name Asinus lässt sich zwar gleichermaßen mit Esel oder Dummkopf übersetzen, war jedoch einst auch die Bezeichnung für einen Lastenaufzug. Ob die Esel erst die Steine und später die Glocken nach oben zogen? Weil der Bau eines solchen Doms viel Geld verschlang, war hinterher keines mehr übrig. Der alte Turm blieb einfach unverkleidet stehen. Manchmal ist eben Armut die bessere Denkmalpflege.

Eine alte Tabakfabrik im Patrizierhaus

Die im neunzehnten Jahrhundert beginnende Industrialisierung setzte sich in Regensburg nur sehr zögerlich durch. Auch wenn einige Manufakturen entstanden, waren es doch zu wenige, um aus der Stadt ein echtes Industriezentrum zu machen. In zwei zusammengelegten Patrizieranwesen entstand beispielsweise eine Fabrik für Schnupftabak, in der bis vor 20 Jahren sogar noch in der Innenstadt produziert wurde. Drei Räume blieben im ursprünglichen Zustand bei der Sanierung erhalten. Innen riecht es noch immer nach Tabak, genau so, wie in den vergangenen zweihundert Jahren.

Schnupftabakfabrik in Regensburg
Schnupftabakfabrik in Regensburg
alte Tabakmühle in Regensburg
Hier wurde der Tabak zerkleinert

Damals zerkleinerten  Arbeiter in 14-stündiger Arbeitszeit den Tabak, zerrieben ihn und versetzten ihn mit Schmalz und Aromen. Die Herren gehobener Stände kauften ihn schließlich in kleine Döschen gefüllt.

Das Patrizierhaus der Familie Runtinger

In Regensburg lässt sich noch viel mehr entdecken: Die Schottenkirche mit ihrem reich geschmückten Portal, der Kaisersaal im Gasthaus zum Goldenen Kreuz oder das Patrizierhaus der Familie Runtinger.

Mitteralterliche Kauffrau in Regensburg
Margarethe Runtinger lauscht dem Reisebericht

Weil das Handelsbuch der Runtigers im Stadtarchiv erhalten blieb, sind sämtliche Aufzeichnungen über die gehandelten Waren, die Preisaufschläge und die Handelswege bekannt. Handelsherr Matthias Runtiger lebte um 1400, als er starb, übernahm seine Frau Margarethe die Geschäfte und führte die Bücher weiter. Sie schickte ihre Bediensteten auf Handelsreisen und blieb selbst zu Hause, ganz im Gegensatz zu ihrem Mann, der die Reisen selbst begleitete. Kamen die Karawanen nach Monaten oder Jahren nach Regensburg zurück, hörte sie Berichte von wunderlichen Tieren mit langen Nasen, märchenhaften Orten und Reichtümern.

 

Liebesgeschichte mit Happy End

Satute von Don Juan d'Austria in Regensburg
Don Juan d’Austria

Dass Liebesgeschichten hoher Herrschaften auch gut ausgehen konnten, davon erzählt das Denkmal von Don Juan d’Austria: Kaiser Karl V. war bereits Witwer, als er sich in die bürgerliche Gürtlerstochter Barbara Blomberg verliebte. Als die Regensburgerin einen Sohn vom Kaiser bekam, ließ ihn dieser am spanischen Hof erziehen. Er wusste nichts von seiner Herkunft und sollte eigentlich in den kirchlichen Dienst.  Er wollte jedoch lieber beim Militär Karriere machen. Als Befehlshaber der spanischen Mittelmeerflotte schlug er in der Seeschlacht von Lepanto 1571 die Osmanen.

 

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